Mathematik und Schönheit - wie reimt sich das? Also, das ist so: In Steinach kennen sich sehr gut der Vorsitzende des Kulturfördervereins J. Schlicht, ehemals Mathematiklehrer, und der gebürtige Steinacher Tobias Kaiser, seines Zeichens Inhaber des Lehrstuhls für Reine Mathematik an der Universität Passau, 1994 bis 1999 Studium an der Universität Regensburg, 2001 bei Prof. Dr. Knebusch promoviert und im Jahre 2007 habilitiert, seit 2008 Professur für Reine Mathematik an der Fakultät für Informatik und Mathematik der Uni Passau.

Nun, da beide die Mathematik für "schön" halten, entstand die Idee eines weiteren Kulturgesprächs des Schlichtvereins, eben über die Schöheit der Mathematik. Nach "Weiterlesen" werden 4 Themen in Bildern vorgestellt werden. Termin und Ort der Veranstaltung:

Samstag, 31. Juli 2021, 19.30 Uhr, Aula der Josef-Schlicht-Grundschule Steinach

Die aktuellen Vorgaben der Corona-Pandemie erfordern u. a. noch die Einhaltung der Abstände der Besucher. Aus Planungsgründen bittet der Schlichtverein um Anmeldung auf dieser Webseite unter Events - Online-Anmeldung.

Der Eintritt ist frei!

Nach "Weiterlesen" gibt es am Ende des Beitrages den unredigierten Bericht über die Veranstaltung!

 GoldenerSchnitt

Dass mathematische Methoden schon vor Tausenden von Jahren die kulturelle Entwicklung der Menschheit befördert haben ist wohl unbestritten. Dass das Empfinden von "Schönheit" nachweisbar mit einer Zahl - etwa 1,6 .... - zu tun hat ist schon den Tempelarchitekten des Altertums bekannt.

In dem Kulturgespräch wird Prof. Kaiser vier Themenbereiche vorstellen:

Was sind die Leitlinien der Mathematik?  Das Banach-Tarski-Paradoxon

Was sind die Paradigmen der Mathematik? Unendlichkeit der Primzahlen

Kann man Mathematik gebrauchen? Knotentheorie und Proteine

Was hat Mathematik mit Kultur zu tun? Ist Mathematik Kultur? Kettenbrüche und Kunst

Hier veranschaulicht durch 4 Bilder:

Banach-Tarski-Paradoxon:

Bildschirmfoto 2021 07 04 um 09.35.00

 Primzahlen und ihre Unendlichkeit:

Animation schnell Sieb des Eratosthenes

Schleife oder Knoten? - Knotentheorie:

KnotenOderSchleife

Kettenbrüche:

Kettenbruch

 

Baffes Staunen beim Kulturgespräch 
Großes Interesse an "Bedeutung und Schönheit der Mathematik"

Steinach (pk). Baffes Staunen gleich mehrfach am Samstag Abend in der Aula der Josef-ZuhoererSchlicht-Grundschule in Steinach: beim veranstaltenden Kulturförderverein Joseph Schlicht über das übergroße Interesse an diesem 5. Kulturgespräch, beim Publikum, welches in konzentrierter Aufmerksamkeit die beileibe nicht leichte Kost mathematischer Prinzipien und Beweisführungen folgte, beim Referenten Prof. Dr. Tobias Kaiser von der Uni Passau, der sich besonders über altersmäßig sehr gemischte Zuhörerschaft freute.
Was hatte der Referent zu erzählen? Dass die Mathematiker Banach und Tarski ihre paradoxe Verdopplung etwa einer abstrakten Kugel natürlich nur infolge der Abstraktion des realen, physikalischen Raumes in abstrakte mathematische Punktmengen beweisen konnten, dass schon Euklid vor mehr als 2000 Jahren die Unendlichkeit der Primzahlen beweisen konnte - Dr. Kaiser führte diesen Beweis tatsächlich dem Publikum vor!, dass eine Um-Faltung des Muskelproteins Myoglobin in ein schädliches Protein nach Erkenntnissen der Knotentheorie nicht möglich ist. Schließlich führte der Referent konkret vor, warum und wie die temperierte Stimmung etwa einer Orgel in zwölf Halbtöne gleichen Frequenz-Abstands zwar keine 'reine' Stimmung ist, aber eine Stimmung, welche praktisch alle Tonarten einigermaßen wohlklingend darzustellen vermag - und wie ein Kettenbruch bei der Ermittlung der Intervalle Verwendung findet.
So konnte Dr. Kaiser überzeugend darstellen, dass Mathematik 'Kunst' ist, mindestens zum uralten, aber immer jungen Kulturgut der Menschheit gehört. Lang anhaltender Beifall beschloss das etwa einstündige Kulturgespräch, in angeregter Diskussion der Themen bei lauem Sommerabend im Innenhof der Schule klang diese Runde der Kulturgespräche aus.