Die folgenden Beiträge sind als Anregung zur Gestaltung liturgischer Feiern gedacht. Dabei werden durchaus neue, ja innovative Wege beschritten:
Die Liedbeiträge, später vielleicht auch Instrumentalbeiträge, stammen aus fast tausend Jahre Musikgeschichte, von der Gregorianik bis ins 19. und 20. Jahrhundert, die Besetzungen reichen vom Sologesang bis hin zu mehrstimmigen gemischen Singgemeinschaften. Die Aufbereitung der Lieder ist vielleicht dadurch 'innovativ', als auch die Einzelstimmen hervorgehoben angeboten werden, aber auch das Mitsingen bei ausgewählten Gruppen und Chören angeboten wird.

In diesen Zeiten, geprägt durch die Corona-Pandemie, in der das chorische Singen zum erliegen gekommen ist, bietet das "LIEDER-Projekt" die Musikstücke - vielleichte auch als Vorbereitung für hoffentlich bald wieder mögliche gemeinsame Singen, zum 'home-singing' an. Das heißt, man ruft auf dieser Webseite eine Komposition auf, sucht sich seine Stimme heraus, lässt sie sich vorpielen, summt dann vielleicht schon mit, und beginnt dann auf beliebige Silbe die Melodie sich zu erarbeiten. Der Dirigent wird dann bei der Gesamtprobe daraus Musik machen!

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Der gemischte Chor des MGV Parkstetten war im Jahre 1978 wohl der Vorläuferchor des Steinacher Singkreises. Der erste Auftritt in den Kirchen Münster, Parkstetten und Steinach brachte die Kleine Messe von Annette Thoma zur Aufführung.

Im Folgenden nach Weiterlesen ein Auswahl aus dem geistlichen Repertoire des Steinacher Singkreises.

 

Joseph Gabler (1824-1902), Dechant - heute Dekan - zu Waidhofen a. d. Ybbs sammelte in seiner Diözese St. Pölten im 19. Jahrhundert in über 40 Jahren hunderte von 'geistlichen Volksliedern' und veröffentlichte diese in 2. Auflage, Regensburg 1890. In seiner umfänglichen 'Vorrede' schreibt er u.a.:

  • die Text sind Manuskripten der Vorbeter und Vorsänger bei Prozessionen und außerkirchlichen Volksandachten entnommen
  • die Singweisen wurden, wie sie vom Volk gesungen wurden, aufgeschrieben und ohne wesentliche Änderung wiedergegeben
  • in den Singweisen tritt noch mehr als in den Texten der volkstümliche (Anm. des Verfassers dieser Beiträge: heute wohl 'volksliedhafte') Charakter dieser Lieder hervor
  • sie - die Lieder - werden ohne jede Begleitung irgendwelcher Instrumente von den Vorsängern zweistimmig vorgesungen und ... von allen Teilnehmer meist dreistimmig nachgesungen
  • in diesen Liedern zeigt sich die ganze Macht des Volksgesanges
  • zum Zweck der Herausgabe: Es sollen die der Vergessenheit allmählich anheimfallenden religiösen Volsklieder dem Volke bewahrt bleiben

Ernst Schusser, der beim bay. Landesverein für Heimatpflege im Jahre 1984 als ....... den Nachdruck entscheidend vorangebracht hat, schreibt im Vorwort des Herausgebers:
"Erfreulicherweise beschäftigt sich die Volksliedpflege gerade in jüngster Zeit verstärkt mit überlieferten geistlichen Volksliedern, die vor allem für die Gestaltung traditioneller Singgelegenheiten (Andachten, Wallfahrten, Prozessionen, Volksschauspiele u. a.) und neugeschaffener Singanlässe (z. B. Adventsingen, Passionssingen) herangezogen werden. Mit der Erneuerung der katholischen Meßliturgie haben auch geistliche Volkslieder Eingang in die Gottesdienstfeier gefunden, wobei sich jedoch an den Bestimmungen des II. Vatikanischen Konzils zur Verwendung der Musik und des Volksgesanges häufig die Geister scheiden: Dialekt oder Hochsprache, Liedvortrag oder Einbeziehung der Gemeinde, Mehrstimmigkeit für Gruppengesang oder überlieferte volksmäßige Mehrstimmigkeit usw. Während etwa für Advents- und Weihnachtssingen eine reiche Auswahl von entsprechenden Liedern zur Verfügung steht, mangelt es bei einzelnen Singanlässen (z. B. Andachten an Heiligenfesten, Volksgesang zur Messe) an geeigneten geistlichen Volksliedern. Um diese Lücke schließen zu können, möchten wir mit der vorliegenden Ausgabe interessierten Kreisen entsprechendes Quellen- und Arbeitsmaterial zugänglich machen, das es auf seine Verwendbarkeit in der heutigen Zeit zu überprüfen gilt."

Die Aufbereitung der Gabler-Lieder durch den Vorsitzenden des Kulturfördervereins Joseph Schlicht aus Steinach für das LIEDER-Projekt "am Brunnen - alternatives Singen" folgt im Detail dem oben Gesagten. Auch wird versucht, das Kirchenjahr in GABLER-Liedern abzubilden. Die Quellenlage dazu ist ja ganz ausgezeichnet!


Die Quellenangaben bedeuten:

  • zB ngN 30 - neue geistliche Nachtigall, Nr 30, Linz 1884 - enthalten als Auszug der einstimmigen Melodien in 'Unverändeter Nachdruck München 1984, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V., München'
  • zB GVL 95 - geistliche Volkslieder, Nr 95, 2. Auflage, Regensburg 1890 - aus 'Unverändeter Nachdruck München 1984, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V., München', i.d.R. zweistimmige Melodien

Bei den ngN-Liedern wurden die Noten mittels Finale gesetzt. Auch hat die Angabe Satz: pk ... eine gewissen Berechtigung, weil eine Melodie ja durchaus auf verschiedene Arten harmonisiert werden kann. Bei den GVL-Lieder veröffentlich Gabler i.d.R ja zweistimmige Noten, dass sich "Satz: pk" auf das Hinzufügen einer Bassstimme beschränkt. Ganz selten wurde in die Zweistimmigkeit eingegriffen und damit eine sperrige Harmonisierung vermieden.

Literatur:

Pfarrer Joseph Gabler - Leben und Werk: Link

Josef Gabler, Geistliche Volkslieder - bei Amazon: Link

Bläsersätze, u.a. zu Liedern des Joseph Gabler, gesetzt von Erich Sepp: Link